Polizei vor dem Pfarrhaus -
Kirchenkampf in braunen Zeiten
Zu einer schweren Herausforderung für die evangelischen Christen - auch in der Weißiger Gemeinde - wurde die Zeit der Hitlerdiktatur. Kaum daß sie die Macht im Reich errungen hatten, beriefen die Nazis im Juni 1933 einen ihnen genehmen Pfarrer der sogenannten „Deutschen Christen“ (DC) zum sächsischen Landesbischof. So wurde die Kirche „von oben her“ zum Werkzeug der Machthaber. Erst nach einer Weile hatten viele sächsische Pfarrer diesen Schock verdaut und wehrten sich. Unter anderem entstand 1934 im westfälischen Barmen die Bekennende Kirche. In Sachsen wehrte sich der Pfarrer-Notbund gegen die Nazifizierung des Bekenntnisses.

In Weißig ging es äußerlich um die Frage, wer als rechtmäßiger Pfarrer den Gottesdienst in der Kreuzkirche halten durfte. Es ergab sich, daß die Pfarrerstelle Mitte der Dreißiger Jahre neu besetzt werden mußte. Ein Kirchenkampf entbrannte in aller Schärfe mit dem Landeskirchenamt (LKA). Der Dresdner Superintendent D. Hugo Hahn, zugleich Pfarrer an der Frauenkirche, schreibt darüber: „Wurde eine Stelle frei, meldete ich das dem LKA nicht. Ich verletzte damit formal meine Amtspflicht. Ich versorgte die vakanten Gemeinden eigenmächtig. Ich war mir wohl bewußt, daß das bei langer Dauer des Kampfes allergrößte Schwierigkeiten geben würde, aber ich überließ das Gott. ... Und hier (in Weißig) setzte ich meinen lieben (Vikar) Müggenburg ein. Ich schenkte den Kirchenvorstehern, lauter tapferen Männern, die mir vertrauten, reinen Wein ein. Müggenburg gefiel ihnen, und sie waren einverstanden. Daß Müggenburg das Schwerste bevorstand, sah ich voraus, und es hat mich richtig erschüttert.“

Nach kurzer Zeit erschien Polizei vor der Kirche, um den jungen Pastor Wolfgang Müggenburg abzuführen. Superintendent Hahn fährt fort: Einmal klingelten und polterten sie nachts an der Tür des Pfarrhauses. Er lag oben im Bett und rührte sich nicht, bis die Polizei abzog. Aber lange ging das nicht. Er wurde aus dem Pfarrhaus herausgesetzt. Er zog zu einer trefflichen Familie, die ihn liebevoll aufnahm. Die Kirche behauptete er noch. Nun setzte das LKA einen anderen Vikar ein. Aber die Gemeinde stand geschlossen auf Müggenburgs Seite, erfreulicherweise auch die Jugend. Ihr junger Pastor imponierte ihr.
Es war klar, er tat seinen Dienst nicht ums Geld, sondern um des Evangeliums willen. Die Kirche war rappelvoll. Als wir aus der Kirche vertrieben wurden, ging niemand mehr hinein. Müggenburg hielt weiter Gottesdienste ab in Gasthäusern und anderswo. Schritt für Schritt wurde er aus allem verdrängt. Schließlich wurde er ganz stumm gemacht und aus Sachsen ausgewiesen.“ Er ging nach Berlin. Später wurde der Vikar zum Kriegsdienst eingezogen. In Weißig blieb Müggenburg noch lange unvergessen. Die Obrigkeit hatte aber über die Kirchgemeinde gesiegt.
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