Das Pferd wird vom Schwanz her aufgezäumt
Im Jahr 1994 kam Michael Lehmann als neuer Pfarrer nach Weißig. Mit ihm zusammen wurde im Jahr darauf ein neues Kapitel in der Baugeschichte der Kreuzkirche aufgeschlagen. Er berichtet: „Seit 1993 schossen die Häuser im neu erschlossenen Baugebiet wie Pilze aus dem Boden und es begann ein rasanter Zuzug in den Ort, der auch das Leben der Kirchgemeinde erheblich veränderte. Statt acht, zehn oder fünfzehn Besuchern versammelten sich zu den Gottesdiensten sonntags nun dreißig, fünfzig und auch siebzig Kinder und Erwachsene. Nun wurde im Gemeindesaal die Luft knapp. So sollten ab Winter 1994/95 alle Gottesdienste in der Kirche gefeiert werden. ... Dann sperrte der Schornsteinfeger die Heizungsanlage, weil wohl fortan auch die Schutzengel überfordert gewesen wären. Nun galt es zu handeln.“ So geschah es mit aller Kraft. Am 20. Dezember 1995 wurde die neue rauchfreie Erdgasheizung in der Kirche erstmals benutzt.

Doch das war erst der Anfang. Winterstürme drohten die ohne Ausnahme defekten Kirchenfenster aus dem Jahr 1901 einzudrücken. Die Elektrik war in einem Zustand, daß es an ein Wunder grenzte, warum die Kirche nicht schon längst niedergebrannt war. Der Innenanstrich zeigte sich in der Höhe rauchgeschwärzt, an den Mauersockeln platzten die Feuchtigkeitsblasen. Schwamm fraß sich in den Bau, weil die Dachentwässerung nicht mehr stimmte und weil die unlasierten DDR-Betonziegel mit dem Wetter überfordert waren.

Die Bilanz ergab: Mit der Heizungserneuerung hatte man das Pferd eigentlich vom Schwanz her aufgezäumt. Vor der dringenden Innenraumrenovierung mußte das Dach neu eingedeckt werden. Pfarrer Lehmann: „Also wurde auch das in Angriff genommen. Nach entsprechender Prozedur durch die Instanzen konnten in den Jahren 1998 und 1999 Kirchen- und Turmdach mit Biberschwanz-Ziegeln neu eingedeckt werden. Die Dachkonstruktion wurde dabei teilweise und die Dachentwässerung vollständig erneuert. ... Erste Untersuchungen der Wände brachten Jugendstilelemente der Ausmalung von 1901 zutage. Der genaue Umfang konnte jedoch erst festgestellt werden, nachdem über das Gerüst auch die Decke erreichbar sein würde.“

Im Mai 2000 war es soweit. Die Untersuchungen des ursprünglichen Zustandes vor
99 Jahren förderten eine große Überraschung zu Tage. Davon gleich mehr.
- Die anschließenden Innenarbeiten gingen in mehren Abschnitten vor sich.
Am 28. November, dem ersten Advent des Jahres 2004, konnte die Gemeinde zum ersten Mal wieder Gottesdienst in der von innen vollständig wiederhergestellten Kreuzkirche feiern.
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